Im heutigen Quicktipp präsentiere ich euch eine coole Technik, mit der man bewegte Objekte scharf abbilden kann, während der gesamte Rest des Bildes unscharf bzw. verzerrt erscheint!

Doch bevor ich damit beginne, möchte ich ein kleines Announcement machen –  denn dieser Blog hat nun endlich seine eigene Domain www.shootinginaction.at erhalten! Ich habe viel positives Feedback von LeserInnen erhalten, wofür ich mich an diese Stelle herzlich bedanken möchte. 🙂 Reaktionen führen zu Aktionen, euer Feedback hat mich gewissermaßen in dem, was ich tue, bestätigt.

Mit seiner eigenen Domain hat der Blog daher nun einen gefestigten Platz im digitalen Universum erhalten und steht damit auch auf soliden Beinen. Und einer noch besseren Auffindbarkeit dient es, so hoffe ich, auch, um möglichst viele Gleichgesinnte, die sich für Fotografie und Bildbearbeitung begeistern, mit hilfreichen Tipps und Tricks zur Seite zu stehen. Und damit leite ich auf den heutigen Quicktipp über:

Motion Panning

Der heute vorgestellte Trick ist unter dem Begriff „Motion Panning“ bzw. in unseren Breiten auch als „Mitziehen Technik“ bekannt. Ich habe die Technik vor einigen Jahren vom amerikanischen Fotografen Jeff Cable gelernt, der auf seinem eigenen Blog http://blog.jeffcable.com über seine internationalen Fotojobs in aller Welt berichtet, wie etwa zuletzt live von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (seinen Blog kann ich euch sehr empfehlen!).

Der Begriff „Motion Panning“ ist recht selbsterklärend. Während „Motion“ für die Bewegung des fotografierten Objekts steht, bezieht sich „Panning“ auf das Mitziehen der Kamera. Doch wie funktioniert es genau?

Damit so ein Bild gelingen kann, ist etwas Übung in Sachen Kameraführung sowie einige Vorüberlegungen hinsichtlich der Kameraeinstellungen notwendig. Ich erkläre das am Beispiel des Beitragsbildes mit dem Vespa-Fahrer:

Shooting in Action – Tipps und Tricks rund um Fotografie und Bildbearbeitung auf Einstellungssache. Credit: Michael W. Mürling

 

Mit Kameraführung ist die Art und Weise gemeint, wie ich die Kamera auf die Vespa gerichtet habe. Am besten funktioniert die Technik, wenn sich das bewegte Objekt vor dem Fotografen von einer Seite auf die andere Seite bewegt. Ich hatte die Vespa schon vorher kommen sehen. Mir war daher klar, dass sie sich direkt vor mir vorbeibewegen würde. Daher fokussierte ich bereits in einiger Entfernung auf das Fahrzeug und folgte dessen Bewegung mit halb durchgedrücktem Auslöser*. Beim Schwenken der Kamera achtete ich darauf, mich an die Geschwindigkeit der Vespa anzupassen und dem Motiv möglichst gleichmäßig auf der gleichen Bewegungslinie zu folgen. In dem Moment, als die Vespa direkt vor mir vorbeifuhr, drückte ich den Auslöser voll durch.

Doch um diese Gegensätze im Ergebnisbild einzufangen – das scharfe Fahrzeug inmitten dieser wunderbaren Bewegungsunschärfe – war es notwendig, eine langsamere Verschlusszeit einzustellen, als man sonst bei hellem Tageslicht gewählt hätte. Denn durch eine zu rasche Verschlusszeit wäre die Umgebung rund um den Vespa-Fahrer deutlich schärfer abgebildet worden, und der Effekt wäre nicht mehr sehr sichtbar gewesen. Hier kommen die dafür relevanten Kameraeinstellungen ins Spiel, die in diesem Fall folgendermaßen aussehen:

  • ISO 100 für die bestmögliche, rauschfreie Bildqualität; das Bild entstand zur Mittagszeit und es herrschte ein extrem helles Tageslicht, allein aus diesem Grund war kein höherer ISO notwendig
  • 1/15 Sekunde Verschlusszeit, um der Kamera genügend Zeitraum zu geben, die Umgebung rund um das fotografierte Objekt zu verziehen
  • f/22 – dieser Blendenwert ergab sich aus obigen Einstellungen und der Tatsache, dass es zu diesem Zeitpunkt wirklich extrem hell war

Das Bild habe ich übrigens aus der freien Hand geschossen, ein Stativ wurde nicht verwendet. Und das ist das Geniale an dieser Technik – mit derart geringen Verschlusszeiten verwendet man normalerweise Stative, um nicht zu verwackeln. Führt man die Kamera jedoch gleichmäßig mit der Bewegung des Objekts mit, bekommt man sehr schöne Ergebnisse! Den Bildstabilisator auf eurem Objektiv solltet ihr natürlich eingeschaltet lassen, der hilft euch zusätzlich etwas bei der Stabilisierung.


Es gibt keine idealen Kameraeinstellungen für Motion Panning Bilder!

In diesem Beispiel fotografierte ich im manuellen Modus, die Einstellungen hatte ich im Vorfeld in Bezug auf eine korrekte Belichtung ausprobiert. Wenn man aber schneller im Handling sein möchte, kann man es sich natürlich auch etwas einfacher machen und im Modus Blendenautomatik (Tv) fotografieren. Im Tv-Modus gibt man der Kamera die Verschlusszeit vor und sie kalkuliert automatisch die Blendenöffnung und den ISO Wert (sofern Auto ISO eingestellt wurde), um eine optimale Belichtung des Bildes zu erreichen (siehe auch DSLR-QUICKTIPP #3 – EINE KURZE GESCHICHTE ÜBER DAS VERLASSEN DER KOMFORTZONE). Das heißt, dass auch die Verschlusszeit von 1/15 Sekunde nicht in Stein gemeißelt ist. Ich habe auch Motion Panning Bilder mit kürzeren Verschlusszeiten wie z.B. 1/25 Sekunde gut hinbekommen und selbst hier ist noch Luft nach oben.

* Ein kleiner Tipp: aktiviert man für das Motion Panning den Autofokusmodus AI Servo, dann passt die Kamera die Schärfe eines anfokussierten Objekts automatisch und laufend an, sobald es sich in Bewegung befindet. Auf diese Weise kann man sich alleine darauf konzentrieren, dem anvisierten Objekt gleichmäßig mit der Kamera zu folgen – um im richtigen Moment abzudrücken.

Shooting in Action – Tipps und Tricks rund um Fotografie und Bildbearbeitung auf Einstellungssache. Credit: Michael W. Mürling

Einstellungen: ISO 100, 1/15 Sekunde, f/22

Shooting in Action – Tipps und Tricks rund um Fotografie und Bildbearbeitung auf Einstellungssache. Credit: Michael W. Mürling

Einstellungen: ISO 100, 1/20 Sekunde, f/22

Shooting in Action – Tipps und Tricks rund um Fotografie und Bildbearbeitung auf Einstellungssache. Credit: Michael W. Mürling

ISO 1600, 1/25 Sekunde, f/18


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